Essener Unternehmen zu Top-Arbeitgeber gekürt | Volmer-Jann

Essener Unternehmen zu Top-Arbeitgeber gekürt

18 Mai 2014

Auf ein Wort …

Kürzlich las ich in der WAZ: „Drei Essener Unternehmen zu den TOP-Arbeitgebern gekürt.“ Dazu befragte das Nachrichtenmagazin Focus angabegemäß Arbeitgeber mit mehr als 500 Mitarbeitern. Unterschieden wurde zwischen großen und mittelständischen Unternehmen. „Zufriedene und engagierte Mitarbeiter seien der wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg“, wurde ein Vorstandsmitglied eines so ausgezeichneten Unternehmens zitiert. Es verwies auf die großen Anstrengungen seines Unternehmens für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter Aufzählung einiger vom Unternehmen angebotener Leistungen in eben diesem Zusammenhang.

Glückwunsch! Von seinen Mitarbeitern so bewertet zu werden, das macht zu Recht stolz und ist ein Zeichen, dass man wohl Vieles richtig macht. Geht es dem Mitarbeiter gut, geht es dem Unternehmen gut.

„Wir suchen händeringend sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, möglichst mit Bachelor oder Master. Offensichtlich sind wir für solche Mitarbeiter nicht interessant genug.“ Diese und ähnliche Klagen höre ich von Klein- und Mittelständischen Unternehmen (sog. KMU) allenthalben. Auch sie brauchen Professionals, für Rechnungswesen und Controlling, für Unternehmensstrategien, Öffentlichkeitsarbeit, Vertrieb und und und. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Beispiel Bewerbungsgespräch. Es geht um die dringend zu besetzende Stelle Rechnungswesen und Controlling. Auf die ausgeschriebene Stelle hat sich (immerhin) eine Bewerberin gemeldet mit dem passenden Abschluss Master BWL. Im Bewerbungsgespräch stellt sich heraus, welche Anforderungen sie an den Arbeitgeber hat: Elternzeit selbstverständlich, Unterbringung im Betriebskindergarten oder doch zumindest ein finanzieller Beitrag des Arbeitgebers zum Kindergarten, Förderung gesundheitlicher Maßnahmen, z.B. ein Abo fürs Fitness-Studio, flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten, Wahl zwischen verschiedenen Arbeitszeitmodellen usw. usf. Die ganze Klaviatur.
Abgesehen davon, dass sich das KMU schon mit Mühe das geforderte Gehalt abringt, zusätzliche finanzielle Leistungen sind einfach nicht drin. Was man bieten kann, sind kurze Wege zwischen ihrem Ressort und der Geschäftsführung, selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten mit großem kreativem Entfaltungsspielraum, der auch gesehen und gewürdigt wird. Ein hohes Maß an Identifikation mit seiner Arbeit und dem Arbeitgeber, ein ausgeprägtes Wir-Gefühl, direkte Kommunikation und die Möglichkeit, unmittelbar an unternehmerischen Entscheidungen mitzuwirken.
Offensichtlich ist das alles derzeit nicht attraktiv genug, sich für einen Job in einem KMU zu entscheiden. Und so bleiben die dringend benötigten Köpfe draußen. Die Konsequenz, das alles, wirklich alles, beim geschäftsführenden Gesellschafter oder Inhaber hängen bleibt, der oft auch noch im operativen Geschäft gefordert ist und unter der Last ganz sicher nicht den Kopf frei hat für Vorwärtsstrategien, Neuausrichtung, Entwicklung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Damit sein Unternehmen eine Zukunft hat, es sich im Wettbewerb gerade auch durch seine Unternehmensgröße und den damit verbundenen Eigenschaften wie z.B. Reaktionsgeschwindigkeit, weiterhin gut behaupten kann.

Als bester und beliebtester Arbeitgeber ausgezeichnet zu werden, ist sicher der Traum vieler Unternehmer. Man muss es sich allerdings auch leisten können.

Herzlichst Ihre
Angelika Volmer-Jann